Spiegelkind

Im Leben der 15jährigen Juli ist alles geregelt. Auffallen ist gefährlich, wer der Norm nicht entspricht, wird verfolgt. Doch dann verschwindet Julis Mutter plötzlich spurlos und der Vater zittert vor Angst. Nach und nach kommt Juli hinter das Geheimnis ihrer Familie: Ihre Mutter ist eine der wenigen Pheen, die wegen ihrer besonderen Fähigkeiten in der Gesellschaft der totalen Normalität gefürchtet und verachtet werden. Gehört auch Juli bald zu den Ausgestoßenen? Zusammen mit ihrer neuen Freundin Ksü und deren Bruder Ivan macht sie sich auf eine gefährliche Suche – nach der verschwundenen Mutter, der verbotenen Welt der Pheen und der Wahrheit über sich selbst.

Leseprobe aus »Spiegelkind«

Prolog

»Du musst mir helfen«, sagt er. »Ohne dich bin ich verloren. Wenn du es tust, wenn du bei mir bleibst, wenn du mich rettest, dann wirst du es niemals bereuen. Ich werde dich niemals im Stich lassen, ich verspreche es. Ich werde dich beschützen.«
»Du weißt, was passiert, wenn du das Versprechen brichst«, sagt sie. »Das habe nicht ich mir ausgedacht, das steht im Gesetz.«
»Ich habe gehört, ihr macht eure Gesetze selber«, sagt er.
»Das ist falsch.«
Stille.
»Aber du willst es doch auch«, sagt er schließlich.
Sie schweigt.
Sie sitzen im Dunkeln und sie sind jünger als heute. Ich kann ihre Gesichter nicht sehen. Aber die Art, wie sie den Kopf neigt, wie er die Schultern hochzieht, ich würde sie beide mit niemandem auf dieser Welt verwechseln. Diese sehr junge Frau ist meine Mutter. Der Mann ist mein Vater.
Ich öffne die Augen, es ist Nacht, ich liege in meinem Bett, unter meiner Decke. Die beiden Narben an meinen Schulterblättern jucken. Ich habe nicht geträumt. Ich bin gerade irgendwo gewesen und habe etwas gesehen, was ich nicht sehen sollte.
Etwas, was mit dem zu tun hat, wer ich bin. Etwas, was ich nicht wissen darf.

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